Kulturhauptstadt Europas erklärt: Italiens Bewerbungen
Wie der Titel Kulturhauptstadt Europas vergeben wird, welche italienischen Städte ihn trugen, wie das Rennen um 2019 ausging und was 2033 auf Italien zukommt.
KulturVeröffentlicht
Praktisch
- Beginn
- 1985, zunächst als „Kulturstadt Europas“
- Italienische Titelträger
- Florenz 1986, Bologna 2000, Genua 2004, Matera 2019
- Nächste Runde für Italien
- 2033
- Quelle
- Europäische Kommission, culture.ec.europa.eu
Die Kulturhauptstadt Europas ist ein Titel, den die Europäische Union jedes Jahr an Städte vergibt, die dann ein Jahr lang ein Kulturprogramm ausrichten. Heute geht er jährlich an Städte in zwei EU-Mitgliedstaaten und jedes dritte Jahr zusätzlich an eine Stadt in einem Kandidatenland, einem möglichen Kandidatenland oder einem EFTA-Staat. Italien hatte den Titel viermal allein: Florenz 1986, Bologna 2000, Genua 2004 und Matera 2019. Die nächste Runde für Italien ist 2033.
Diese Seite ist ein redaktioneller Erklärtext des Perugia & Umbria Guide. Sie steht in keiner Verbindung zur Europäischen Union, zu einer Stadt oder zu einer früheren Bewerbung. Regeln und offizielle Dokumente veröffentlicht die Europäische Kommission.
Wie alles begann
Die Initiative startete 1985 mit Athen als erster „Kulturstadt Europas“. Die Idee: Europäer einander näherbringen, indem man den kulturellen Reichtum ihrer Städte zeigt. In den ersten Jahren ging der Titel meist an bekannte Kulturzentren, darunter 1988 West-Berlin. Mit der Zeit verschob sich der Schwerpunkt dahin, Kultur als Motor für Stadtentwicklung zu nutzen: neue Spielstätten, mehr Beteiligung der Bewohner, langfristige Wirkung.
Seit 1999 heißt der Titel Kulturhauptstadt Europas, die Regeln wurden seither mehrfach überarbeitet.
So wird heute ausgewählt
Das Verfahren ist in einem EU-Beschluss festgelegt und dauert mehrere Jahre.
| Phase | Was passiert | Typischer Abstand zum Titeljahr |
|---|---|---|
| Ausschreibung | Das Gastgeberland lädt seine Städte zur Bewerbung ein | Etwa sechs Jahre |
| Vorauswahl | Die Städte reichen Bewerbungsbücher ein, eine unabhängige Jury wählt einige aus | Etwa sechs Jahre |
| Endauswahl | Die Finalisten überarbeiten ihre Bewerbung, die Jury empfiehlt eine Stadt | Etwa fünf Jahre |
| Ernennung | Das Gastgeberland ernennt die Siegerin offiziell | Etwa vier Jahre |
| Begleitung | Die Jury verfolgt die Vorbereitungen | Bis zum Titeljahr |
Die Jury bewertet die langfristige Kulturstrategie, die europäische Dimension, den künstlerischen Gehalt, die Umsetzungsfähigkeit, die Einbindung der Bevölkerung und die Organisation. Eine Stadt, die ihre Zusagen einhält, kann ein Preisgeld erhalten, benannt nach der früheren griechischen Kulturministerin, die die Initiative angestoßen hatte.
Italien und der Titel
Frühere Titelträger
Florenz war 1986 die zweite Titelstadt überhaupt. Bologna gehörte zu den neun Städten, die sich das Jahr 2000 teilten. Genua folgte 2004 und verband den Titel mit der Erneuerung seines alten Hafens.
Der Wettbewerb um 2019
Für 2019 waren Italien und Bulgarien an der Reihe. In Italien bewarben sich zahlreiche Städte, Ende 2013 wählte die Jury sechs aus: Cagliari, Lecce, Matera, Perugia (mit Assisi und weiteren umbrischen Orten), Ravenna und Siena. Im Oktober 2014 empfahl die Jury Matera, die Stadt der Höhlensiedlungen Sassi in der Basilikata. In Bulgarien fiel die Wahl auf Plowdiw.
Materas Jahr 2019 gilt oft als Beispiel dafür, wie eine kleinere Stadt mit dem Titel ihr Image wandeln und neue Besucher gewinnen kann.
Die Kulturhauptstadt Italiens
Nach dem Rennen um 2019 schuf die italienische Regierung einen nationalen Titel, die Capitale italiana della cultura. Die fünf Finalisten ohne europäischen Titel teilten sich ihn für 2015. Seitdem geht der nationale Titel jedes Jahr an eine Stadt, ermittelt in einem eigenen Wettbewerb. Für viele Städte ist er ein Sprungbrett zu einer langfristigen Kulturstrategie.
Grenzüberschreitend: GO! 2025
2025 ging der Titel an Nova Gorica in Slowenien, das sein Programm gemeinsam mit dem italienischen Nachbarort Gorizia gestaltete. Die beiden Städte waren nach dem Zweiten Weltkrieg durch eine Grenze geteilt, das Programm stellte diese gemeinsame Geschichte in den Mittelpunkt. Im selben Jahr war in Deutschland Chemnitz Kulturhauptstadt.
Ausblick: 2033
2033 ist Italien gemeinsam mit den Niederlanden wieder Gastgeberland. Die italienische Ausschreibung wird einige Jahre vorher erwartet. Medien, die den Wettbewerb verfolgen, nennen mehrere Städte, die sich vorbereiten, darunter Norcia in Umbrien, das nach den Erdbeben von 2016 wieder aufgebaut wird. Eine offizielle Kandidatenliste gibt es erst nach Ablauf der Bewerbungsfrist.
Was das für Besucher in Perugia heute bedeutet
Für Reisende zählt weniger der Wettbewerb als das, was es zu sehen gibt. Perugia und die umliegenden Orte bieten genau das, was ein Kulturjahr ins Licht rücken will: mittelalterliche Plätze, Renaissance-Malerei, Musikfestivals und ein lebendiges Universitätsleben. Einstiegspunkte sind unsere Beiträge zu den Sehenswürdigkeiten von Perugia, zur Renaissance-Kunst in Umbrien und zum Festkalender. Die wichtigsten Orte verbindet unsere Umbrien-Rundreise in 7 Tagen.
Quellen und weiterführende Informationen
- Europäische Kommission: Kulturhauptstädte Europas, Regeln, Jury-Berichte, Liste der bisherigen und künftigen Titelträger.
- Berichte der Auswahljury zu den italienischen Wettbewerben, veröffentlicht von der Europäischen Kommission.
- Italienisches Kulturministerium: Informationen zur Capitale italiana della cultura.
Häufige Fragen
Wie wird die Kulturhauptstadt Europas ausgewählt?
Jedes Gastgeberland schreibt einen offenen Wettbewerb aus. Die Städte reichen ein Bewerbungsbuch ein, eine unabhängige Expertenjury wählt einige für die Endrunde aus und empfiehlt nach einer zweiten Runde eine Stadt. Das Land ernennt die Siegerin dann offiziell. Regeln und Jury-Berichte veröffentlicht die Europäische Kommission.
Welche italienischen Städte waren Kulturhauptstadt Europas?
Florenz 1986, Bologna 2000, Genua 2004 und Matera 2019. 2025 trug die slowenische Stadt Nova Gorica den Titel gemeinsam mit dem italienischen Nachbarort Gorizia als grenzüberschreitendes Programm.
War Perugia jemals Kulturhauptstadt Europas?
Nein. Perugia bewarb sich zusammen mit Assisi und weiteren umbrischen Orten um den Titel für 2019 und kam in die italienische Endrunde der letzten sechs, die Jury empfahl aber Matera.
Welche deutschsprachigen Städte waren Kulturhauptstadt?
Unter anderem Berlin (1988), Weimar (1999), Graz (2003), Linz (2009), das Ruhrgebiet mit Essen (2010), Bad Ischl mit dem Salzkammergut (2024) und Chemnitz (2025). Die vollständige Liste veröffentlicht die Europäische Kommission.
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